Die Göttin
Der
Göttin werden drei Manifestationen zugeschrieben: Jungfrau,
Mutter/Liebhaberin/Gattin und Greisin. Jeder dieser Formen entspricht
eine Mondphase. Der zunehmende Mond entspricht der Jungfrau, der
Vollmond der Mutter/Liebhaberin/Gattin und der abnehmende Mond
entspricht der Greisin. Als Jungfrau symbolisiert die Göttin das,
was noch nicht ist, was sich noch nicht vollständig entfaltet hat.
Sie vertritt die noch nicht gesammelten Lebenserfahrungen und noch
nicht offenbarte Mysterien. Aber sie ist nicht statisch. Sie
symbolisiert das unbändige, unzähmbare Heranwachsen alles
Lebens, stetiges Wachstum. Sie ist nicht, wie die Jungfrau Maria,
asexuell, sondern präsexuell. Wenn ihre Zeit herankommt,
entwickelt sie sich zur Liebhaberin/Mutter/Gattin.
Als
Mutter/Liebhaberin/Gattin ist die Göttin weder Hausfrau noch
Prostituierte, wie es das machen (aber weitaus nicht allen)
Männern gerne passen würde. Sie ist weder Dienst- noch
Sexobjekt, im Gegenteil! Wenn sie zur fürsorgenden Mutter,
liebevollen Gattin oder leidenschaftlichen Liebhaberin wird, geschieht
das nur, weil sie es so will. In dieser Stufe ist sich die Göttin
ihrer eigenen Kraft voll bewußt und übt sie aus als
kosmische Machthaberin auf dem Höhepunkt ihrer Entfaltung, in der
Fülle ihres Reichtums, in all ihrer Kraft und Kreativität.
Hier ist sie Mutter, Schöpferin, Künstlerin,
Fürsorgerin, Kriegerin.
Die
Greisin ist zugleich liebende Großmutter und finstere
Zerstörerin. Sie benutzt ihren reichen Schatz von
Lebenserfahrungen, um die jüngeren Generationen zu lehren und auf
die Zukunft vorzubereiten. Als Zerstörerin schneidet sie alles
Überflüssige und Veraltete aus der Welt heraus, um Platz
für neues Leben zu schaffen.
Die
Göttin, wie wir sie in Wicca verehren hat drei Aspekte, die mit
den Phasen der Mondin in Einklang stehen. Bei zunehmendem Mond ist sie
die Jungfrau, bei Vollmond die Mutter und Geliebte und bei abnehmendem
Mond ist sie die alte Weise Frau. Zu Neumond erneuert sie sich und
beginnt den Zyklus neu.
Die Jungfrau
Sie
ist die Schöpferin. Sie erschafft die Erde mit allen Pflanzen,
Tieren und Menschen. Sie ist die erste Göttin auf dieser Welt und
sie wird auch die letzte sein. Sie existiert jenseits aller Zeit. Als
Jungfrau ist sie nicht asexuell, sondern frei und sie gehört
niemandem außer sich selbst. Sie braucht niemanden um ihre
Aufgabe zu erfüllen, doch sie lockt die Männer auf die Suche
nach ihrer eigenen Weiblichkeit und Schaffenskraft, die Suche nach dem
heiligen Gral, die Frauen auf die Suche nach ihrem unabhängigen
Selbst, ihrer eigenen schöpferischen Kraft. Sie ist unerreichbar,
eine Göttin im Himmel. Sie kann nur verehrt und verfolgt werden.
Ihre Schönheit liegt in ihrer Unerreichbarkeit. Wenn sie einmal
erreicht wird, erscheint sie nicht mehr verlangenswert.
Sie
ist die Inspiration des Lebens, die uns immer weiter lockt und
schließlich über uns selbst hinaus führt.
Die Geliebte und Mutter
Die
Muttergöttin ist die Erde, der heilige Gral, aus dem alles Leben
entspringt. Sie kennt ihre eigene Sexualität und trägt den
Samen eines Kindes in sich. Sie ist vom Himmel aus ihrer
Unerreichbarkeit auf die Erde herabgestiegen. Sie steht mitten in der
Welt und muß sie erleben und sie verstehen, um zu sich selbst zu
finden. Sie kennt die Welt, ihre Schönheit und Trauer, ihre Freude
und Ängste. Ihre Wünsche sind erfüllt und sie hat
gelernt, die Lebenskraft zu meistern. Sie ist Königin und Mutter,
Ernährerin und Beschützerin. Sie ist Königin und Mutter,
Ernährerin und Beschützerin. Sie kennt Verantwortung und
Liebe. Sie flieht nicht mehr vor dem Mann, sondern ruft ihn zu sich, um
ihr Kind zu zeugen und ihr zu dienen. Die Göttin gebiert eine
Tochter. Dieser Tochteraspekt ist der Aspekt der Geliebten, der sexuell
verlangende Aspekt, voller Lust und Lebenskraft. Die Göttin kann
sich nun an sich selbst in Begriffen wie älter/jünger,
stärker/schwächer definieren und erreicht damit ein
größeres Verständnis ihrer selbst. Sie ist in der Lage,
ihr eigenes Schicksal zu lenken und zu bestimmen.
Die weise, alte Frau
Die
Göttin in ihrem Aspekt der Dunklen Mutter ist Meisterin der
Transformation. Sie ist eine Gestaltwandlerin und Zauberin. Durch ihre
Verwandlungen führt sie den Lauf der Dinge zu seinem Ende. Sie
lockt einen Mann zu sich als schöne junge Frau und verwandelt sich
in die Spinnenfrau, die ihn verschlingt. Sie führt zum Tod und zur
Erfüllung des Schicksals. Aber nur durch den Tod können wir
uns im Leben erneuern. Erst wenn das Ego stirbt, kann das Selbst sich
voll entfalten und uns so vervollständigen und in Einklang mit uns
und der Welt bringen. Für einen Mann ist die dunkle Mutter seine
eigene weibliche Kraft, die das Ego zu Fall bringt. Für eine Frau
ist sie das Selbst. In beiden Fällen ist sie weiser als wir, denn
sie kennt den Tod und was dahinter liegt. Sie ist die Königin der
Unterwelt, die uns Schutz und Ruhe gibt und uns für die
Wiedergeburt vorbereitet. Sie ist die Hohepriesterin, die die Mysterien
bewacht und die den Kessel der Weisheit hütet. Sie ist Wahrsagerin
und Hüterin der Magie.
Die dreifache Mutter
Die
dreifache Mutter hat alle drei Aspekte in sich vereinigt. Sie ist nicht
länger in ihrer Entwicklung, sondern hat sie abgeschlossen. Sie
ist das vollständig entwickelte Selbst, in Harmonie mit sich
selbst und der Welt in der sie lebt. Sie bestimmt ihr Schicksal
vollständig und weiß wohin sie ihr Weg führt. Sie
verbindet den Himmel, die Erde und die Unterwelt, d. h. die
bewußte und unbewußte Welt in Harmonie mit ihrer
materiellen Welt.
Der Gott
Der
Gott der Hexen trägt Hörner als Zeichen seiner Kraft,
Fruchtbarkeit, Leidenschaft, Lebenslust und Erdverbundenheit. Oft wird
er als Mann mit Hirschgeweih oder als halb-Mann-halb-Ziege dargestellt.
In der zweiten Beschreibung entspricht er dem griechischen Gott Pan.
Pan wurde von den frühen Kirchenvätern zum Teufel
erklärt, und darum wird auch noch heute der Gehörnte Gott der
Hexen allzu oft mit dem Teufel der Christen verwechselt.
Der
Gehörnte Gott erscheint in zwei Gestalten: als Eichenkönig
und als Mistel- oder Ilexkönig. Dem Eichenkönig die helle
Hälfte des Jahres zugeschrieben und dem Mistelkönig die
dunkle Hälfte des Jahres. In der Gestalt des Eichenkönigs
wächst er vom Neugeborenen zum Lausbuben (Eulenspiegel), Liebhaber
und schließlich Gatten. Dann, auf dem Höhepunkt seiner Macht
wird er von seinem anderen Aspekt, dem Mistelkönig "erschlagen"
(auch Götter haben ihre Midlifekrise). Hier wird er nun zum Vater,
zum Erntegott, zum Ernteopfer und zum Großväterchen Winter.
Der Gott
wird als gehörnter Mensch, als Satyr oder Pan oder als Hirsch (und
oft auch in anderer Tiergestalt) gesehen. Hier ist er der
Fruchtbarkeitsgott Cerrunos. Er ist gleichzeitig der Jäger und der
Gejagte. Wir haben auch die Vorstellung des Lichtgottes als junger
Mann, auf der Höhe seiner Kraft, mit einer Krone aus
Sonnenstrahlen, wie er in der Gestalt des Baldur oder Apollo erscheint.
Als seine
Kehrseite kennen wir den Gott der Unterwelt, der über die Toten
richtet, wie Hades oder Pluto. Er ist auch der Hüter des Wissens
und trägt den Schlüssel zu jedem Tor. Er erscheint auch als
Herr der Wege. Sein Gesicht mag schwer oder gar nicht erkennbar sein
und er ist in dunkle Gewänder gehüllt. Von vielen Aspekten
gibt es auch hier Mischformen.
Cerrunos
hat zum Beispiel nicht nur helle Aspekte, sondern als der
nächtliche Jäger einen dunklen, als der den Tod bringt und
auf unheimlichen Stürmen reitet. Sein Name kann mit dem Gott der
Zeit, Cronos in Verbindung gebracht werden, der alle Dinge der
Vergänglichkeit unterwirft.
Andere Götter
Hexen
studieren die Mythen und Sagen der Antike und ferner Kulturen. Hexen
sind nicht unbedingt Agnostiker, aber sie verstehen, dass alle Wege zum
selben Ziel (Vereinigung mit dem höheren Selbst, Erlösung,
Erleuchtung, Nirvana, usw.) führen. Dabei kommt es dann schon
einmal vor, dass Hexen, Pragmatiker, die sie nun einmal sind,
Gottheiten anderer Religionen gelegentlich "ausleihen" oder sogar in
ihre Religion "adoptieren."
Beispiel:
Eine Frau
spricht ein Gebet an die griechische Göttin Diana (Behüterin
aller Jungfrauen, sehr militante Persönlichkeit) um sich vor
unerwünschten sexuellen Overtüren zu beschützen. Sie ist
Musikerin und zündet etwas Weihrauch zu Ehren des germanischen
Gottes Baldur (Gott der Künstler und Musiker) bevor sie mit ihrer
Band die Bühne betritt.